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Jean-Pierre Maurer / Robert Müller, aus Morgan Is Sad Today, 1968.

 
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Dienstag, 14. März 2023 / 22:24:32

Morgan Is Sad Today - ein radikales Projekt von Jean-Pierre Maurer und Robert Müller (1968)

Mor­gan Is Sad Today ge­hört zu den un­kon­ven­tio­nells­ten und sper­rigs­ten Fo­to­bü­chern der Schwei­zer Fo­to­ge­schich­te. Es wurde in den spä­ten 1960er-Jah­ren von den bei­den jun­gen Fo­to­gra­fen Ro­bert Mül­ler (1942-2018) und Jean-Pier­re Mau­rer (*1942) kon­zi­piert, blieb aber - druck­fer­ti­g - fast 50 Jahre lie­gen, bis es 2015 vom Ver­le­ger Pa­trick Frey ent­deckt und in prak­tisch un­ver­än­der­ter Form pu­bli­ziert wurde.

Das Werk ist von einer ver­blüf­fen­den Ra­di­ka­li­tät. Wild und aus­ge­las­sen be­schwört es das Le­bens­ge­fühl der jun­gen Men­schen, die über­zeugt waren, in eine bes­se­re und freie­re Welt auf­zu­bre­chen. Die­ser Auf­bruch ging mit einer fri­vo­len De­mon­ta­ge des Es­ta­blish­ments und lust­vol­ler Kri­tik an bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­nen ein­her - und spie­gel­te sich auch in der Fo­to­gra­fie.

Mül­ler und Mau­rer füg­ten über 100 Bil­der zu einem as­so­zia­ti­ven Rei­gen vol­ler Rät­sel und Brü­che, wobei meis­tens un­klar bleibt, von wem die ein­zel­nen Auf­nah­men stam­men. Mor­gan Is Sad Today ist ge­wis­ser­mas­sen ein kol­lek­ti­ves Pro­dukt, in das auch Roh­ma­te­ri­al aus an­de­ren Quel­len (zum Bei­spiel Pres­se­bil­der oder Co­mics) ein­ge­ar­bei­tet wurde.

Äs­the­tik des Wi­der­stands

Die Bild­se­quen­zen be­we­gen sich zwi­schen In­sze­nie­rung und Wirk­lich­keit, blei­ben frag­men­ta­risch oder er­gies­sen sich aus­ufernd über die Be­trach­ten­den: ein Stream of Con­scious­ness, mal näher bei einem Nou­vel­le-Va­gue-Film, dann wie­der wie der schril­le Li­ve-Act eines Rock­kon­zerts. Immer wie­der wer­den die Re­geln der «guten» Fo­to­gra­fie über Bord ge­wor­fen. Ex­tre­me Kon­tras­te, Spie­le­rei­en mit Un­schär­fe und gro­bem Korn, skur­ri­le und spon­ta­ne Hap­pe­nings, sorg­fäl­tig ge­plan­te Ab­sur­di­tä­ten im Stu­dio sowie Ver­frem­dun­gen bis zur Un­kennt­lich­keit ge­hö­ren zum Re­per­toire einer Äs­the­tik des Wi­der­stands, die sich einer «ver­nünf­ti­gen» Logik ent­zieht.

Als Autor für einen be­glei­ten­den Essay konn­ten die bei­den Fo­to­gra­fen den be­kann­ten ita­lie­ni­schen De­si­gner Et­to­re Sott­s­ass ge­win­nen; die­ser lie­fer­te al­ler­dings kei­ner­lei bild­be­zo­ge­nen Er­klä­run­gen, son­dern be­schrieb eben­so frei und aus­schwei­fend wie die Fo­to­gra­fen den Zeit­geist der 1960er-Jah­re - ein Ma­ni­fest gegen das hohle Pa­thos und die Lügen der Po­li­tik und ein Plä­doy­er für ein Leben im Ein­klang mit dem Uni­ver­sum. Für die ge­druck­te Ver­si­on von 2015 steu­er­te auch San­dro Fisch­li einen er­hel­len­den Text bei.

Von dem Film «Mor­gan - A Sui­ta­ble Case For Tre­at­ment» inspiriert

Mit dem Titel ihres Bu­ches spiel­ten Mau­rer und Mül­ler auf den Film «Mor­gan - A Sui­ta­ble Case For Tre­at­ment» an. In die­sem 1966 er­schie­ne­nen eng­li­schen Strei­fen von Karel Reisz will der ex­zen­tri­sche junge Maler Mor­gan mit ver­rück­ten Ein­fäl­len und sei­nem Go­ril­la-Spleen seine Ehe­frau, die sich von ihm ge­trennt hat, zu­rück­ho­len. Die Frei­heit des Aus­sen­sei­ters kol­li­diert mit den ri­gi­den Kon­ven­tio­nen der Upper Class; am Ende fin­det sich Mor­gan im Ir­ren­haus, wo er seine Träu­me und mar­xis­ti­schen Idea­le un­er­schüt­ter­lich wei­ter­lebt.

Die im kru­den Stil des Free Ci­ne­ma ge­film­te Ko­mö­die ver­wischt die Gren­zen zwi­schen Rea­li­tät und Fan­ta­sie, zwi­schen Ernst und Komik. Ein­mal singt der Prot­ago­nist vor sich hin: «Mor­gan is sad today, sad­der than yes­ter­day?» - ist er trau­rig, weil sein Plan nicht ge­lingt? Oder weil die Mensch­heit immer noch mit der Macht des Bösen ringt, statt in einer Welt vol­ler Liebe und Frie­den ihr Glück zu fin­den?

«Es gab einen uni­ver­sel­len Kon­sens dar­über, dass alles, was wir taten, rich­tig und ge­recht war - und dass wir ge­win­nen wür­den», schrieb Hun­ter S. Thomp­son 1971 in sei­nem Kult­buch Schre­cken und Angst in Las Vegas mit Blick auf die Ju­gend der 1960er-Jah­re. «Wir rit­ten auf der Schaum­kro­ne einer hohen und wun­der­schö­nen Welle» - ein tref­fen­des Bild für die Stim­mung, die auch Mor­gan Is Sad Today ver­mit­telt.

Die aus­ge­stell­ten Werke sind Teil einer gross­zügigen Schen­kung von Jean-Pier­re Mau­rer; sie wur­den 2022 in die Samm­lung der Fo­to­stif­tung Schweiz auf­ge­nom­men.

Morgan Is Sad Today

16. März 2023 bis 4. Juni 2023
Fotostiftung Schweiz
CH-8400 Winterthur (Zürich)
Telefon +41 52 234 10 30
E-Mail info@fotostiftung.ch

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr
Mittwoch 11-20 Uhr
Montag geschlossen

fest (Quelle: pd)

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